Kommunale Wasserstrategie ist nötig
Offener Brief an den Gemeinderat Kölliken
Sehr geehrter Herr Gemeindeammann, geschätzte Mitglieder des Gemeinderats
Wir wenden uns an Sie in unserer Verantwortung als eine Partei, der Natur und Umwelt besonders am Herzen liegen. Der Hitzesommer 2026 bestätigt die Prognosen der Klimaforschung. Neben grosser Hitze und Trockenheit im Sommer prognostizieren unsere Meteorologen mehr Starkregen. Den Gemeinden kommt bei der Krisenbewältigung und auch bei der Prävention eine zentrale Rolle zu.
Kölliken fängt dabei nicht bei Null an. Der Gemeinderat verfügt auf Antrag von Bäretatze – Grüne Kölliken seit 2021 über einen Klimaleitfaden, der unter anderem die Wasserproblematik anspricht. Kanton und Bund arbeiten an Wasserstrategien und können den Gemeinden behilflich sein.
Unsere Partei hat die Thematik ausführlich diskutiert und mit Fachleuten gesprochen. Wir legen dem Gemeinderat einen Fragenkatalog vor.
Wir schlagen einen Runden Tisch vor, um die Wasserproblematik mit der Bevölkerung und mit Experten umfassend anzugehen. Ziel ist die Erstellung einer kommunalen Wasserstrategie.
Es geht dabei nicht nur um kurzfristige Anliegen wie die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung oder die Bewältigung von Waldbränden oder Überschwemmungen. Ebenso wichtig sind längerfristige Überlegungen in den Bereichen Bauen und Infrastruktur, Energie, Forst und Gesundheit. Wichtig ist die Governance: Welche rechtlichen Grundlagen gelten, welche Gremien entscheiden, wer arbeitet an den Plänen für eine kühlere Zukunft mit, welche Rolle spielt die Gemeinde als Vorbild für uns Einwohner:innen?
Anbetrachts der beängstigenden Entwicklungen ein entschlossenes und koordiniertes Vorgehen nötig. Entscheidend ist nicht die politische Farbe, sondern dass alle gemeinsam die Problematiken wahrnehmen, anerkennen und mit Goodwill und Knowhow an Lösungen mitarbeiten.
Um die komplexe Sachlage zu illustrieren, haben Bäretatze – Grüne Kölliken diverse Überlegungen und Fragen dazu formuliert. Diese werden dem Gemeinderat und den anderen Kölliker Parteien als offener Brief übermittelt.
Besten Dank, wenn Sie unseren Vorschlag für einen Runden Tisch aufnehmen und unsere Fragen beantworten. Mit freundlichem Gruss
Martin Bossard
Präsident Bäretatze – Grüne Kölliken
Fragen zur Wassersituation in Kölliken
Datenlage, Analyse
Die Gemeinde benötigt mehr Daten als die heutige, sehr summarische Übersicht über Produktion und Verbrauch des Trinkwassers. Dazu gibt es diverse Leitungsnetze und Wasserförderungen, die nicht über das öffentliche Leitungsnetz laufen. Die Leitungsverluste sind zu hoch. Grosse Verbraucher sorgen für zeitliche Spitzenbezüge und gefährden möglicherweise die Grundversorgung der Haushalte.
- Wie sieht es in Kölliken aus mit dem Trinkwasser? Welche Daten stehen zur Verfügung?
- Welches sind die grössten Verbraucher?
- Verbrauch nach Gruppen: Private, Landwirtschaft, Gewerbe- und Industriebetriebe
- Wie viel Wasser konsumieren welcher Bezüger in der kritischen Zeit? Welches sind die grössten Veränderungen während der Trockenheit?
- Welche Verbraucher verfügen über eigene Wasserförderungen bzw. -reserven?
- Wie gross sind die Leitungsverluste?
- Wie hat der Sparappell der Gemeinde (Merkblatt auf der Homepage) an die Haushalte gewirkt? Gibt es analoge Appelle an Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe?
- Haben wir genügend Daten, um in Krisen das Richtige zu tun und uns optimal auf die nächsten Hitzejahre vorzubereiten?
Management von Trinkwasserproduktion, -konsum
Trinkwasser ist wertvoll und billig. Darum wird es in grossem Ausmass verschwendet. Haushalte verwenden 1/3 ihres Trinkwasser zur Spülung von WCs. Im Leitungsnetz versickert ein weiteres Drittel. Auch Landwirtschaft und Industrie greifen auf Trinkwasser und nicht auf Regenwasser-Depots zu, selbst in Krisenzeiten. Wasser- und Abwasserreglemente begünstigen dieses Verhalten. Sie sind nicht krisentauglich und müssen überarbeitet werden.
- Konsum bei Bedarf steuern, vermindern: Kompetenzen der Gemeinde, Kontrolle, Durchsetzung, Mitwirkung der Betroffenen
- Ersetzen: Trinkwasser durch Regenwasser oder rezykliertes Wasser ersetzen. Sollen Regenwassertanks oder -becken obligatorisch werden? Gefördert werden? Für Haushalte, Gewerbe, Industrie, Landwirtschaft? Hindernisse?
- Vermeidung: Wie hoch sind die Leitungsverluste? Waren die aktuellen Leitungsbrüche während der heissen Zeit kritisch für die Wasserversorgung?
- Anreicherung: von Grundwasser z.B. mit Wässermatten. Wie weit sind wir?
- Vernetzung mit anderen Gemeinden: Funktioniert sie im Krisenfall? Wie regelmässig werden Funktionstests durchgeführt?
- Zusätzliche Wassergewinnung: Neue Quellen / Brunnen erschliessen, Einbezug der privaten Fassungen, Reaktivierung der alten Fassungen (Badi). Welche Projekte gibt es?
- Wasserqualität: Wie entwickelt sie sich bei Trockenheit und Starkregen? Ist sie gefährdet?
- Reglemente im Krisenfall und für die Prävention: Sind sie ausreichend? Haftet der Gemeinderat, wenn er Betriebseinschränkungen verfügt (v.a. Industrie, Landwirtschaft, Gewerbe)?
- Kompetenzen: Wer entscheidet im Krisenfall über Einschränkungen? Wie werden sie durchgesetzt? Wer wird bei der Entwicklung von mittel- und langfristigen Massnahmen beteiligt?
- Nutzungskonflikte Haushalte, Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe: Sind sie in den entsprechenden Reglementen ausreichend adressiert? Gibt es Plattformen, auf welchen diese präventiv und im Notfall diskutiert werden können?
Bauen & Planung, Infrastruktur
Die Kölliker Raumplanung befindet sich in Überarbeitung. Sie muss unter dem Gesichtspunkt der Klimaentwicklung angepasst werden. Entsiegelung, Begrünung, Gewässerräume und Luftzirkulation müssen stärker einbezogen werden. Die Schwammstadt Kölliken wird zur Pflicht. Regenwasser kann in Zukunft in grossem Stil wertvolles Trinkwasser ersetzen. Auch Industrie und Gewerbe kann Meteorwasser einsetzen oder verfügbar machen. Die Landwirtschaft als grosser zusätzlicher Verbraucher in Hitzeperioden kann Teil der Lösung sein, indem sie Teiche anlegt oder Wässermatten reaktiviert.
- Förderung bzw. Vorschriften für Speicher (Haushalte, Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe): Rechtlicher Rahmen? Finanzierung durch Wasser- oder Abwasserverband, Gemeinde möglich?
- Raumplanung: Entsiegelung, Begrünung, Gewässer, Luftzirkulation. Was ist geplant?
- Vorbild Gemeinde: Brauchwassernutzung, systematische Entsiegelung, Schwammstadt. Wie weit sind wir?
- Generelle Entwässerungsplanung (GEP2): Sind wir auf die erwarteten extreme Wetterereignissen vorbereitet? Trockenheit, Hitze, Starkregen?
Energie
Wie sich gezeigt hat, vermindert sich die Stromproduktion in Hitzeperioden mangels Wasser sehr stark. Die verschwindenden Gletscher liefern wenig oder kein Wasser mehr, Atomkraftwerke wurden wegen Überhitzung und Problemen mit Muscheln und Quallen europaweit stillgelegt. Klimaanlagen erhöhen den Stromverbrauch. Solaranlagen entlasten die Situation. Ihr schneller Ausbau muss durch das EW unterstützt werden, welches zurzeit nur den Minimalpreis auszahlt und Anlagen über die produktivste Zeit am Mittag vom Netz nimmt.
- Solarenergie, Mehrbedarf an Strom für Kühlung, fehlender Wasser- und Atomstrom im Sommer: Wie kann Solarenergie stärker gefördert werden?
- Klimaanlagen: Erleichterung des Zulassungsverfahren für Klimaanlagen? Begründung siehe Gesundheit.
Forst
Die Waldbrände in Möriken und die Grossbrände in Nachbarländern rufen Ängste wach. Unsere Schutzorganisationen müssen vorbereitet sein. Und der Wald muss langfristig auf die Klimaerhitzung vorbereitet werden.
- Waldbrände: Sind wir gerüstet? Beispiel Möriken, Grossbrände in Südwestfrankreich und Deutschland.
- Forstwirtschaft: wie bereiten die Verantwortlichen unsere Wälder auf die Erderhitzung vor?
Gesundheit
Die Schulen und die Alterseinrichtungen sind nicht für die grosse Hitze gebaut worden. Hier sind die anfälligsten Bevölkerungsgruppen den Klima-Entwicklungen schutzlos ausgeliefert. Klimaanlagen können kurzfristige Lösungen sein. Aber es sind auch bauliche Massnahmen zu treffen, und die Umgebung ist kühlend zu gestalten, insbesondere durch Begrünung. Auch andere Teile der Bevölkerung können stark betroffen sein. Für sie sind öffentliche Kälteinseln vorzusehen, wo sie sich eine Zeitlang erholen können.
- Schulen und Alterseinrichtungen: Können sie mit grosser Hitze umgehen? Liegen aktuelle Daten vor? Welche Massnahmen sind vorgesehen (z.B. bauliche Massnahmen, Umgebungsgestaltung, Klimaanlagen)?
- Kälteinseln: Stellt die Gemeinde zukünftig Orte zur Verfügung, wo sich Leute bei extremer Hitze aufhalten können?

Die Karte zeigt kritische Infrastrukturen der Gemeinde Kölliken in orange, rot und violett. Quelle www.ag.ch Bewertungskarten Klima 2026, 2060.
Governance
Es braucht es eine breite Auseinandersetzung der Bevölkerung mit dem Thema Wasser. Es sind viele Themen und somit viele Gremien betroffen – und die ganze Bevölkerung. Viele Kompetenzen und Regelungen sind unklar oder nicht bekannt. Die Erarbeitung einer umfassenden Wasserstrategie mit den Betroffenen schafft das nötige Problembewusstsein und stärkt den Willen zur Umsetzung.
- Kommunale Wasserstrategie: Soll eine solche erarbeitet werden? Gibt es andere taugliche übergeordnete Instrumente?
- Beteiligung der Bevölkerung, z.B. Runder Tisch, Auftrag an Umweltkommission, Orientierung an Gemeindeversammlung, regelmässige Beiträge im Gemeindeblatt und auf der Webseite der Gemeinde?
- Zuständigkeiten für Krisen und Prävention: Sind sie ausreichend klar geregelt? Sind sich die Gremien ihrer Verantwortung bewusst? Wer koordiniert? Wer kontrolliert?
- Gemeinderat (Koordination, Entscheide im Krisenfall, Massnahmen, Reglemente, Strategie, Information und Einbezug Bevölkerung, Controlling, Vorbildfunktion)
- Arbeitsgruppe Umweltschutz des Gemeinderats (Klimafragen gemäss Wegleitung)
- Brunnenmeister (Wasserversorgung, Leitungsnetz)
- Forstbetrieb Kölliken-Safenwil —> Ortsbürger
- Feuerwehr Kölliken (Brandfall, Wasserversorgung)
- Regionale Zivilschutzorganisation Zofingen (Krisenfälle, Wasserversorgung per Notleitung, Zisternenwagen)
- Kanton (kantonale Strategie, Beratung, Gesetzgebung, öffentliche Gewässer)
- Bund (Bundesstrategie, Gesetzgebung)
- Grundwasserverband Suhrental (Koordination, Vernetzung, Anreicherung, Qualitätssicherung, Krisenbewältigung)
- Nachbargemeinden (Nachbarschaftshilfe gemäss Verträgen)
- Abwasserverband (Koordination, Bewältigung von Starkregen u.a. mit Regenbecken, Förderung Brauchwassernutzung, Subventionierung von privaten Sammelanlagen und Zisternen)
- EWK Energie AG (Sicherung Strombedarf und Leitungsnetz für Klimaanlagen, Förderung von Solar- und Windanlagen)
- Bevölkerung: Gemeindeversammlung, Parteien, Quartiere, Gewerbe, Industrie, Landwirtschaft, Interessensgruppen, grosse Einzelbezüger, private Wassernetzwerke (Mitwirkung, Information)
- Grosse Einzelbezüger: Landwirtschaft, Industrie, Gewerbe, Badi
Weiterführende Informationen
- Gemeinderat Kölliken, 24.3.2021: Leitfaden Klima und Energie, Kapitel Wasser (S. 33 f.)
- watson.ch, 14.8.2026: Hydrologe warnt: «Was wir hier machen, ist fahrlässig»
- AZ, 21.8.2026: Wasser in der Schweiz: Die wichtigsten Fragen und Antworten
- AZ, 19.8.2026: Bewohnende und Mitarbeitende leiden teilweise stark an der Hitze (101 Altersheime wurden untersucht)
- Bundesrat, Medienmitteilung vom 24.8.2026: Trockenheit 2026: Häufige Fragen und Antworten
