Wie und wo wir wohnen, hat zentrale Auswirkungen auf Energie, Verkehr, Klima, Biodiversität, Ernährung, Wasser und Ruhe. Das Bundesamt für Umwelt hat den aktuellen Stand hier zusammengestellt.

  • Haushalte verbrauchen mehr als ein Viertel der Energie. Viel davon kann selber erzeugt, und viel kann gespart werden.
  • 38 Prozent gehen in den Verkehr: Arbeit und Freizeit, Gütertransport. Wie wir uns bewegen, wie wir wohnen, macht den Unterschied.
  • Für die schnell schwindende Biodiversität bieten Gärten und Häuser wichtige Lebensräume. Vielfalt statt Einfalt!
  • Fünf bis zehn Prozent der Pestizide werden völlig unnötig in Haus und Garten verwendet. Bio- und Naturgärten machen diese überflüssig.
  • Während Naturgärten Schatten spenden und Treibhausgase binden, tragen Steingärten und versiegelte Flächen zur Klimaerhitzung bei.
  • Nahrung aus dem eigenen Garten ist die beste Verbindung zur Natur und steigert die Achtsamkeit und den Respekt vor allen Lebewesen. Bio – zu Hause: was für ein gutes Gefühl
  • Wasser kann Leben spenden oder einfach in der Kanalisation verschwinden. Nutzen und schützen wir es zu Hause!

Wir versuchen, bei uns das Mögliche zu machen. Hier sind ein paar unserer Lösungen:

Haus

Das ehemalige Aargauer Hochstudhus wurde 1801 gebaut und mehrmals umgebaut, bevor wir es 1995 kaufen konnten. Die Materialen – vorwiegend Holz – stammten aus der Region. Es ist Ost-West ausgerichtet und weist ein Vordach auf, das die Mauern im Sommer gut beschattet, im Winter aber die Sonne hereinlässt. Wir haben die Grundkonstruktion so gut als möglich beibehalten, die kleinen Räume zu grösseren zusammengelegt, die Fenster im Parterre vergrössert und isoliert, um Wärme zu gewinnen und alles mit Isofloc (Zellulose-Produkt) isoliert. Wir haben darauf geachtet, dass alle verwendeten Stoffe natürlich und abbaubar sind. In einer zweiten Bauetappe haben wir den Stall zu Wohnraum umgebaut. Die Wohnfläche wurde verdoppelt, ohne dass dafür zusätzlich Land überbaut werden musste.

Energie

Mit dem Entscheid, umzubauen, haben wir viel graue Energie vermieden, die mit einem Neubau verbunden gewesen wäre. Ein so altes Haus ist aber mit vertretbarem finanziellen Aufwand kaum auf Minergie– oder gar Passivhaus-Standard zu bringen. Statt einer maximalen Sparstrategie haben wir uns entschieden, das Mögliche am Haus zu tun, verbrauchsarme Geräte einzusetzen und die benötigte Energie möglichst selber zu produzieren oder nachhaltig einzukaufen.

  • Der Heizbedarf wird teils mit Holz aus dem Kölliker Wald gedeckt, welches in einem Hypokaust-Ofen verbrannt wird und beide Stockwerke des Westteils mit Wärme versorgt. Für den renovierten Stallteil ist eine Gasheizung im Einsatz.
  • Das Heisswasser wird zu etwa drei Vierteln mit einem Wärmekollektor auf dem Dach hergestellt. Den Rest liefert die Gasheizung.
  • Eine 6.75 kWp-Solaranlage liefert über das Jahr etwa 7000 kWh Strom – deutlich mehr, als wir im Haushalt und mit unserem Elektroauto verbrauchen.
  • Technische Geräte wie Kühlschrank oder Waschmaschine weisen sehr tiefen Verbrauch auf.
  • Licht etc. wird bei Nichtgebrauch ausgeschaltet.
  • Stomschienen trennen elektronische Geräte vom Netz. Der Zugang zum Internet wird über Nacht abgestellt.

Meine Tochter Anna hat den Energieverbrauch unseres Haushalts 2015 in ihrer Maturaarbeit detailliert untersucht. Nach dieser Berechungsart liegt unser Verbrauch bei permanent knapp 5000 Watt, während der Schweizer Durchschnitt bei 8300 Watt liegt. Das Sparpotenzial liegt bei nur rund 50 Watt pro Person.

Wasser

Wir fassen einen Teil des Dachwassers in einem 6 m3-Tank und verwenden es für die sanitären Anlagen und zum Bewässern. Entsprechend weniger entnehmen wir dem öffentlichen Leitungsnetz und damit den Quellen bzw. dem Grundwasser. Ein weiterer Teil des Dachwassers wird vor dem Haus in einem Brunnen gefasst und versickert teilweise im Garten.

Der Verbrauch an Trinkwasser beträgt in der Schweiz pro Person rund 300 Liter pro Tag. Bei uns bezieht der ganze Haushalt (4 bis 6 Personen) ingesamt etwa diese Menge Leitungswasser. Bei der Klimaerhitzung spielt es eine wesentliche Rolle, wenn alle deutlich weniger konsumieren. Unser Haushalt zeigt ungefähr das Potenzial – ohne einschneidende Massnahmen.

Wir profitieren übrigens auch vom Teich unseres Nachbarn, mit welchem wir das Grundstück gemeinsam gekauft haben. Dieses ist eine Oase für Amphibien und wird ebenfalls mit Dachwasser gespiesen.

Garten

Die Umgebung ist so gut als möglich begrünt. Nach dem Hauskauf wurden ca. 120 m2 versiegelte Fläche wieder geöffnet. Jetzt kann das Wasser versickern, und vieles kann wachsen, wo vorher Beton war. Ein Teil wurde gekiest und dient als Sitzplatz. Der Rest ist Garten oder Wiese.

Hecken grenzen das Grundstück auf zwei Seiten ab. Die einheimischen Sträucher sind gut für Vögel, Kleintiere und Insekten. Ihre Früchte sind teilweise essbar (Kornelkirsche, Weiss- und Schwarzdorn, Hagebutten). Bäume und Sträucher beschatten einen Grossteil der Fläche und geben ebenfalls Früchte. Die Wiesen werden nur mit wenig Kompost gedüngt und zweimal pro Jahr mit der Sense gemäht. Das Heu dient als Nahrung für die Tiere eines befreundeten Bauern. Nur eine kleine Fläche ist Rasen, der hoch gemäht wird und darum auch bei grosser Trockenheit kaum verdorrt.

Reben ranken sich an die Hauswände und halten diese kühl. Der etwa 60 m2 grosse Nutzgarten liefert einen Teil der Nahrung. Gift verwenden wir mit der seltenen Ausnahme von Schneckenkörnern nicht. Er wird mit Kompost gedüngt, den wir selber aus allen Grünabfällen herstellen. So bleiben diese Abfälle im Kreislauf . Die Düngung wird mit Horn- und Steinmehl ergänzt.

Verkehr

Letztes Jahr haben wir unseren Erdgas-Opel-Zafira durch einen Occasions-Renault Zoë ersetzt. Wir haben eine eigene Ladestation und produzieren den erforderlichen Strom auf dem Dach. Der Verbrauch liegt unter 14 kWh pro 100 km, was ungefähr dem Energiegehalt von 1.7 Liter Benzin entspricht. Renault/Nissan will übrigens gemäss NZZ die ausgedienten Batterien als Stromspeicher weiter verwenden – ein guter Grund mehr für Elektromobilität.

2012 haben wir zudem einen Opel Vivaro-Bus angeschafft, um uns mit unseren vier Kindern einigermassen ökologisch fortbewegen und in die Ferien fahren zu können. Er weist einen Partikelfilter auf und verbraucht rund 7.6 Liter Diesel pro 100 km. Das ist weniger als der durchsschnittliche Flottenverbrauch in der Schweiz (2015: 8.1 Liter Diesel). Wenn wir mit sechs Personen unterwegs sind, macht das pro Nase 1.3 Liter und liegt somit unter dem Durchschnittsverbrauch der Schweizer Bahnen (1.7 Liter Diesel pro Person und 100 km).

15-20’000 km pro Jahr lege ich beruflich mit dem Zug zurück. Etwa ein bis zwei Reisen pro Jahr gehen davon ins nahe Ausland.

Ich vermeide Flüge wenn immer möglich. Ich halte Flüge für zu billig und bin für Lenkungsabgaben und den Ausbau des Schnellbahnnetzes in Europa. Geflogen bin ich den vergangen 20 Jahren trotzdem einige Male, weil es zeitlich nicht anders möglich oder finanziell absurd viel billiger war. Drei Flüge waren beruflich bedingt nach Budapest und Bukarest und Linz. Einmal reiste ich privat mit meinen zwei Kindern nach Rom – als Konfirmationsgeschenk. Ein weiterer privater Flug ging nach Schweden, wo wir für die Ferien das Haus und das Fahrzeug mit einer Familie tauschten. Und als Sabbatical flogen wir 2016/17 für eine siebenwöchige Reise nach Südostasien.